Allgemein, Impuls, Perspektivwechsel

Ewigkeitsexperiment

Manchmal stelle ich mir vor, wie ich aus der Ewigkeit heraus mein Leben betrachte. Ich sehe mich, wie ich aufstehe und mein Smartphone zücke. Vom Bett ins Bad, Kinder anziehen, Kaffee kochen, Frühstück vorbereiten, essen, abräumen, Kinder für den Kindergarten fertig machen, zum Kindergarten gehen, an den Schreibtisch, Mittagessen vorbereiten und so weiter und so fort. Ich sehe mich, wie ich von einem Termin zum nächsten wusel, noch schnell dies, noch eben das. Ich sehe mich, wie besorgt über das nachdenke, was als nächstes kommt. Das muss aus der Perspektive der Ewigkeit wirklich komisch aussehen.

Was werde ich da wohl denken? Werde ich darüber lachen können? Werde ich denken „Wie sinnlos!“? Wie sinnlos, die Zeit, die man hat, mit Sorgen zu vertun und von Einem zum Nächsten zu hetzen? Vielleicht sehe ich ja in der Ewigkeit rückblickend (wenn man das in der Ewigkeit so sagt, vielleicht sagt man da ja auch draufblickend) wie Gott gleichzeitig einen Weg vor mir her frei gemacht hat und ich habe es nicht bemerkt. Ich bin schnell von hier nach da und irgendwie ging es immer. Manchmal bin ich vielleicht auch gestolpert und wurde aufgefangen, habe es aber nicht gemerkt. Ich glaube, ich werde das Besorgtsein und das Eilen in der Ewigkeit am meisten bereuen. Denn beides kann nicht in der Gegenwart leben, es kann nicht genießen, was da ist, und es kann vor allem nicht den Vater sehen, der uns reich beschenkt und der sich freut, wenn er uns eine Freude machen kann.

Und woran freue ich mich, wenn ich aus der Perspektive der Ewigkeit mein Leben betrachte? Ich sehe mich mit meinen Kindern auf dem Teppich liegen und Duplo spielen. Ich sehe mich, wie ich mir Zeit für einen Menschen nehme und mit Interesse seiner Lebensgeschichte zuhöre. Ich sehe mich, wie ich während der Mittagspause mit meinem Mann auf dem Sofa liege und einfach an die Decke schaue. Ich sehe mich, wie ich mit Freunden eine Holunderblütenschorle trinke.

Das soll kein Plädoyer für mehr Freizeit und weniger Arbeit sein, denn ich glaube, dass ich mich auch über einen Text freuen werde, den ich geschrieben habe, über einen Gedankengang, den ich mir erarbeitet habe oder über eine Illustration von einem komplizierten Thema. Es ist ein Plädoyer dafür, die Arbeit nicht gehetzt und voller Sorge zu tun, sondern sie so zu gestalten, dass man sich auch an ihr in der Ewigkeit freuen kann. Es ist ein Plädoyer dafür, die so genannte Freizeit ebenso bewusst zu erleben und nicht schon über die nächste Herausforderung nachzudenken. Am besten gelingt mir das, wenn ich zwischen Bett und Smartphone, oder Kinder-zum-Kindergartenbringen und Schreibtisch oder auf dem Sofa beim an die Decke schauen diese Ewigkeitsperspektive einnehme. Wenn ich mich frage, was wirklich wichtig ist. Wenn ich mich frage, was Gott mir heute schenken will. Wenn ich mich ansehe, wie ER mich ansieht.